Investmentpotential Bitcoin

BTC - EUR Kurs zum "Allzeithoch" 2013

Viele nutzen Bitcoin aus einem Grund: als Investment. Das ist durchaus legitim. Schließlich war schon in Satoshis Paper zu lesen, dsas Bitcoin ein elektronisches Geld sein sollte und in Devisen wird seit eh und je investiert. Geld definiert sich vor allem dadurch, dass es die drei Geldfunktionen erfüllt – Tauschmittel, Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel. Und jemand der Werte aufbewahrt, will, dass diese zumindest nicht an Wert verlieren – idealer Weise sogar an Wert gewinnen. Wie die Möglichkeiten von Bitcoin (und Co) diesbezüglich stehen schauen wir uns in diesem Artikel an.

Tauschen kann man Bitcoins, das ist wohl so offensichtlich, wie jedem klar: die Funktion des Tauschmittels ist gegeben – auch wenn sie (immer noch) recht volatil sind. Weshalb sie auch als Wertmaßstab bedingt taugen. Aber immerhin: Börsen für Cryptocurrencies nutzen gerne Bitcoin als Recheneinheit um den Wert der gehandelten Währungen untereinander abzubilden – Dollar und Euro sind in diesem Use Case eher an zweiter Stelle. Mit verringerter Volatilität wird es auch leichter, sinnvoller und einfacher Werte mit Bitcoin zu vergleichen.

Erfüllt Bitcoin auch die Wertaufbewahrungsfunktion?

Das kommt drauf an, wie man es sieht. Dank seiner Volatilität könnte man meinen: nein. Aber da (bisher!) der Wert des Bitcoin noch immer gestiegen ist, ist alles was seit einem längeren Zeitraum mittels Bitcoin aufbewahrt wurde, durchaus gut aufbewahrt gewesen.

„Gut aufbewahrt“ ist natürlich untertrieben. Rückblickend war das Investment in Bitcoin (und viele andere Altcoins) ein außergewöhnlich gutes. So gut, dass immer wieder von Blasen gesprochen wird. Vergleiche zur Tulpenzwiebelkrise werden ebenso gezogen wie zur Dot.com Blase in den 90ern.

Prognosen sind eine schwierige Sache,
besonders wenn sie die Zukunft betreffen.
Mark Twain

Nun spekulieren wir mal ein wenig wo es hingehen könnte – für mich gibt es für Bitcoin folgende Szenarien:

Szenario 1: Bitcoin geht unter. Total.

Es kann passieren, dass Bitcoin keinen Wert mehr darstellt. Sei es, weil die Nutzung von Bitcoin aufgrund von Verboten so unattraktiv wird, dass der Wert ins Bodenlose sinkt. Da Bitcoin aber bereits legales Zahlungsmittel in Japan ist, die Durchdringung am Markt bereits hoch ist und sich durch ein Verbot auch kein Staat an den möglichen Steuereinnahmen laben könnte, wäre ein Verbot in größeren Teilen der Welt eher weniger wahrscheinlich. Aber mit Sicherheit kann man natürlich nicht vorhersagen, wie erfolgreich die Kutschenbauer (Banken u.ä. ) sich gegen die Autobauer (dezentrale Währungen) wehren. Allerdings ist dezentralen Währungen mit Verboten in der Praxis de facto nicht bei zu kommen. Wer aber seine Werte legal aufbewahren will, wird in diesem Szenario durch diverse Verbote keine Möglichkeit mehr haben dies mit Bitcoin & Co zu tun.

Eventuell erlebt Bitcoin auch seinen „Facebook-Moment“.  Es kann passieren, dass Bitcoin als Marktbeherrscher, wie einst MySpace, einen Konkurrenten bekommt, der im Prinzip die gleichen Needs abdeckt wie der Platzhirsch, nur eben etwas anders oder besser. Im Fall von MySpace Facebook. Für Bitcoin könnte das eine der bestehenden Altcoins sein.

ZCash und Monero erfüllen technisch die Geldfunktionen ebenso gut wie Bitcoin, bieten ihren Nutzern aber darüber hinaus noch zusätzlich die Möglichkeit, dies mit echter Anonymität zu tun. Litecoin, BitcoinCash (evtl. auch BitcoinGold) unterstreichen die Tauschfunktion und Ethereum und Neo bringen smarte Verträge. IOTA löst eventuell die Probleme rund um Proof of Work in eleganter Art. Und mit swirdls Hashgraph tun sich eventuell ganz neue Wege auf. Drüber hinaus gibt es noch viele weitere Kandidaten, die vielleicht auch noch gar nicht erdacht wurden.

Der vielgebrachte Tulpenzwiebelvergleich ist eher unpassend. Selbst wenn eine der oben genannten Coins Bitcoin den Rang ablaufen sollten, wird der „Markt“ Cryptocoins weiterhin bestehen bleiben. Passender ist da schon der Vergleich mit der Dot.com Blase. Allerdings darf man hier nicht vergessen, dass der Hype um eine neue Technologie (damals HTTP) solche Giganten wie Google oder Facebook in die Welt brachte. Geplatzt ist also nur ein Teil des Marktes – jener der keinen beleibenden Nutzen, wie eben Services a la Google und Facebook, für seine User genieren konnte.

Falls Bitcoin also deshalb fällt, weil in diesem Szenario ein anderer Coin Bitcoin den Rang abläuft, bleibt einem immer noch die Verringerung dieses Risikos indem man sein Investment auf mehrere Coins streut.

Bei allen Spekulationen um Bitcoin (und andere Währungen) sollte man also weder darauf vergessen, dass Bitcoins Schicksal dem vom MySpace folgen könnte, noch natürlich darauf, dass nicht jeder Unkenruf einer Blase auch gerechtfertigt ist.

Szenario 2: Bitcoin geht ab.

Sollte Bitcoin nicht untergehen, stellt sich die Frage wie weit kann diese Rally noch gehen?

Soll ich jetzt noch einsteigen?

Bitcoin hat derzeit eine Marktkapitalisierung (Anzahl der derzeit geschürften Coins mal dem derzeitigen gehandelten Wert pro Coin – Nov. 2017) von ca. 100 Milliarden Euro, was durch den orangen Punkt visualisiert wird:

Klingt viel? Ist es nicht.

Bill Gates wurde von Jeff Bezos als reichster Mann der Welt abgelöst. Bezos besitzt ein Vermögen von unglaublichen 77 Mrd. EUR. Ein Einzelner hat also ein Vermögen, dass annähernd so groß ist wie die Marktkapitalisierung Bitcoins.  Würde Bezos einen Teil seines Vermögens in Bitcoin investieren, sagen wir mal 25%, der Wert des Bitcoin würde gleich um ca. 20% steigen.
Das wird Hr. Bezos vermutlich nicht tun. Aber, dass er einen kleinen Teil seines Vermögens in Bitcoin investiert, ist durchaus möglich. Ebenso wie dies viele andere Millionäre und Milliardäre tun könnten, wenn sie entweder ausreichend technisches Verständnis dafür haben, oder es für sie so leicht (evtl. gemanaged) wird, dass sie es einfach(er) tun können. Das alleine gibt dem Wert von Bitcoin schon einen kleinen Spielraum nach oben – eine Verdopplung der Marktkapitalisierung ist alleine hierdurch leicht vorstellbar.

Lange Zeit war Gold der Wertmaßstab und das Wertaufbewahrungsmittel schlechthin. Heute ist die Aufbwahrungsfunktion wohl eher im Vordergrund. Unglaubliche 7,1 Billonen Euro (eine 7 mit 12 Nullen) beträgt die Marktkapitalisierung von Gold, also 7.000. Milliarden Euro. Sollten also ein Teil der Goldanleger – als Gedankenspiel sagen wir mal 1/7 – lieber in Bitcoin anlegen als in Gold würde das den Preis von Bitcoin verfünffachen (wenn man davon ausgeht dass bisher noch niemand der Gold hält, dies bereits getan hat).

weltweiter Goldmarkt








Können Goldanleger – müssen sie aber nicht.

Unser Wertvergleichsmaßstab schlechthin ist der Euro. Davon haben wir im Moment (die EZB überschwemmt uns übrigens im Moment mit 70 Milliarden neuen und damit zusätzlichen Euro im Monat, was den Maßstab stetig verwässert) 11,7 Billionen (Geldmenge M3). Dollar gibt es übrigens 12,4 Billionen. Wenn die Menschen zumindest einen Teil ihres Geldes in Bitcoin konvertieren, um der realen Inflation zu entfliehen, ist hier ebenfalls ein unglaubliches Potential vorhanden:

Euro











Dollar











Ein anderes Investment mit dem man Cryptocoins vergleichen kann sind Aktien. Facebook (blaue Punkte) hat derzeit eine Marktkapitalisierung von ca. 400 Mrd. EUR, Google (rote Punkte) steht bei ca. 577 Mrd. EUR und Apple (graue Punkte) – die „wertvollste Firma der Welt“ hat eine Marktkapitalisierung von 727 Mrd. EUR.

Facebook

Google


Apple


Jede diese Firmen befriedigt erfolgreich verschiedene Needs. Das stellt einen Wert dar, der sich in einem Preis (je Aktie) widerspiegelt. Schön und gut, doch was hat das mit Bitcoin zu tun?
Bitcoin befriedigt den Need des Wertaufbewahrungsmittels und da man Bitcoin wie Aktien frei kaufen kann und auf einen zukünftigen Wert spekuliert, kann man hier durchaus Parallelen attestieren.

Ist Bitcoin ein Wertaufbewahrungsmittel, kann es maximal so viel Wert speichern wie wir derzeit auf der Welt haben. Güter, Immobilien usw. werden in unserer kapitalistischen Welt wohl großteils über den Wert von Aktien abgebildet (Umweltbilanzen die den Wert von Intakter Umwelt „bewerten“ sind – leider – noch nicht so gebräuchlich). Dann entspräche der Wert aller Bitcoins also allem was man auf der Welt kaufen kann.
Der weltweite Aktienmarkt hat ein Volumen von 73 Billionen – 73.000 Milliarden. Mittlerweile gibt es immer mehr Anleger die ihr Portfolio streuen wollen und dabei Bitcoin für sich entdecken. Spielen wir noch einmal unser Gedankenspiel und lassen 1/7 der Anleger ihr Geld nicht mehr nur in Aktien sondern in Bitcoin investieren – dann würde sich der Wert des Bitcoin verfünzigfachen.

weltweiter Aktienmarkt

Und dann wären da noch der Markt für Derivate. Derivate sind Finanzkonstrukte wie  Swaps, Futures udgl. Für diesen Markt gibt es nur Schätzungen. Sie beginnen bei ca. 544 Billionen und reichen bis (gerne auch mal über) 1,2 Billiarden EUR – und jährlich ist hier ein prozentuelles Wachstum zu erwarten. Hier sind Vermögen investiert, deren Verwalter erst dann in ein „Asset“ investieren wenn sie darin mindestens 300 Millionen EUR unterbringen können. Allerdings werden diese wohl erst bewegt werden, wenn der Markt „reguliert“ ist. D.h. wenn es von staatlichen Stellen her klar geregelt ist, dass es legal ist (nicht nur „nicht illegal“) in Bitcoins zu investieren, sie zu halten und damit zu handeln.  Sobald dies geregelt ist, können unglaubliche Vermögenswerte bewegt werden. Deshalb gibt es auch immer wieder neue Anläufe Bitcoin ETFs, Futures u.ä. genehmigen zu lassen.  Sollte das der Fall werden, dann steht dem Bitcoin eine unglaubliche Wertberichtigung nach oben bevor.

untere Schätzung (544 Billionen)

Dies alles lässt mich immer schmunzeln, wenn ich gefragt werde:

„Platzt denn nun bald die Blase?“

Meine Antwort:

„Eine Zeit lang wird sich das klassische Finanzsystem schon noch halten.“

Fazit

Für mich sieht es so aus als würde sich zumindest eine Cryptocurrency (das muss nicht unbedingt „der Bitcoin“ sein) mittel- bis langfristig durchsetzen. Sollte es Bitcoin selbst sein, sehe ich hier ein mittelfristiges Potential von bis zu einer halben Million EUR je BTC (zur aktuellen Kaufkraft!) und längerfristig ein Potential von ca. 3 Millionen EUR je Bitcoin.

Wobei ich glaube, dass es einen Coin geben wird, der eher selten, dafür dann aber werthaltiger bewegt wird (mit vermutlich dementsprechend hohen Transaktionskosten) und damit primär die Wertaufbewahrungsfunktion adressiert – vgl. historisch mit Goldmünzen. Und parallel dazu wird es einen Coin geben, der eher die Tauschfunktion abdecken wird, mit niedrigeren Transaktionskosten und hoher Umlaufgeschwindigkeit – vgl. historisch mit Silbermünzen. Darüber hinaus werden wohl noch etliche Nischencoins existieren, die Spezialisten auf ihrem Gebiet sein werden (IOTA, Ethereum usw.) und sicherlich auch eine beträchtliche Marktkapitalisierung haben werden.

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