SKS Suicide Kings System

Kartenspiel mit vier Königen

Suicide King Systems (kurz: SKS) ist ein System zur möglichst gerechten Verteilung von Gegenständen (Loot) auf Teilnehmer eines Raids. SKS wird hauptsächlich zur Beuteverteilung in MMORPGs genutzt. Das System kann aber auch für andere Umgebungen (Vereine, Insentivsysteme von Unternehmen u. ä.) verwendet werden. Näher beschrieben soll allerdings der Einsatz von SKS in MMORPGs werden.

Hintergrund

Wie in MMORPGs üblich, werden durch das Lösen von Aufgaben oder Missionen (Quests) oder das Töten von Monstern Erfahrungspunkte gesammelt, mit denen der Spieler neue Fähigkeiten seines Avatars freischalten oder vorhandene verbessern kann. Mit dem Erreichen einer Maximalgrenze (Level cap) entfällt jedoch die kontinuierliche Entwicklung über Erfahrungspunkte, sodass eine Verbesserung nur noch über hochwertige und seltene Gegenstände (Items) aus Schlachtzügen (Raids) erfolgen kann. Gerade an diese Gegenstände gelangt ein Spieler aber nur mithilfe von anderen Mitspielern, welche natürlich ebenfalls Bedarf an den begehrten Gegenstand anmelden.
Standardmäßig bieten MMORPG ein Würfelsystem an, bei dem die Items zufällig verteilt wird. Dies berücksichtigt allerdings nicht den persönlichen und dauerhaften Einsatz der Mitspieler. Wer bei jedem Raid dabei ist, hat die gleichen Chancen beim Würfeln wie jemand, der neu ist. Organisierte Raidverbände empfinden diese Art der Lootverteilung als ungerecht.
Um die Schwäche der zufälligen Lootverteilung zu umgehen, etablierten sich verschiedene Lootsysteme. Eines davon ist SKS.

Funktionsweise

Bei SKS wird der Loot nach einer Liste verteilt. Je höher ein Spieler in der Liste steht (sozusagen der König), desto mehr Anrecht hat er auf ein Item. Nimmt der Spieler das Item, dann rutscht er an das Ende der Liste (er begeht sozusagen Selbstmord).
Dadurch, dass nur die Teilnehmer der Liste bewegt werden, die auch im Moment des Lootverteilens gerade aktiv am Raid teilnehmen (aktive Teil der Liste), verlieren die nicht anwesenden Spieler ihre “erarbeitete” Position nicht (in dem passiven Teil der Liste), und können beim nächsten Raid da weitermachen, wo sie aufgehört hatten.

Ein kurzes Beispiel:
Spieler B, C, E, F und G nehmen an einem Raid teil. Die restlichen Spieler sind nicht dabei:
So sieht die Liste auf, wenn der Raid startet:

Spieler A
Spieler B (anwesend)
Spieler C (anwesend)
Spieler D
Spieler E (anwesend)
Spieler F (anwesend)
Spieler G (anwesend)
Spieler H

Nun soll ein Item des Loots nach SKS vergeben werden. Der erste anwesende Spieler B der Liste wird gefragt, ob er das Item bekommen will. Will Spieler B es nicht, wird der nächste anwesende Spieler, also Spieler C, gefragt. Nimmt Spieler C das Item, rutscht er nun an das Ende der “aktiven” Liste. Spieler B sowie alle nicht anwesenden Spieler bleiben unverändert und verlieren keinen Platz. Alle anderen anwesenden Spieler unter Spieler C rücken allerdings auf den jeweils über ihnen liegenden, frei gewordenen Platz nach oben.

Die neue Liste sieht dann so aus:

Spieler A
Spieler B (anwesend)
Spieler E (?, anwesend)
Spieler D
Spieler F (?, anwesend)
Spieler G (?, anwesend)
Spieler C (?, anwesend)
Spieler H

Bei erneutem Loot wiederholt man das Prozedere.

Wie wird die Liste initialisiert?
Beim 1. Raid mit dem Suicide Kings System würfeln alle Anwesenden und die Reihenfolge wird nach dem festgelegt. Ab diesem Zeitpunkt bestimmen nur noch Loot und Anwesenheit im Raid über die Reihenfolge.

Was passiert mit neuen Spielern, die nach ein paar Wochen hinzukommen?
Diese starten am unteren Ende der Liste und müssen sich in der Liste nach oben arbeiten. Damit wird die Stammgruppe geschützt vor Leuten, die nur kurz mit wollen, um ein Item abzugreifen.

Erfassung / Verwaltung
Für SKS gibt es sehr wenige Programme (siehe nachstehende Weblinks).
Es ist aber recht einfach, sich eine Liste mittels einer einer Textdatei oder auch Tabellenkalkulationsoftware (hier kann man auch gleich ein wenig statistische Daten auswerten) zu erstellen und dann die einzelnen Zeilen (=Teilnehmer) mittels Copy and Paste zu verschieben.

Vorteile

Das System ist einfach anzuwenden, hat wenige und klare Regeln, und ist transparent. Bei geringem Verwaltungsaufwand sind Fehlerquellen stark minimiert und auch Betrugsmöglichkeiten werden verhindert (vgl. DKP wo der Raidleiter vlt. mal “versehentlich” Punkte vergibt oder abzieht).
Dadurch, dass nicht anwesende Spieler ihre Plätze nicht verlieren, aber alle anwesenden vom Looten (suicid) eines einzelnen profitieren, können alle ruhigen Gewissens damit rechnen, mit Sicherheit ihr Item in erreichbarer Zukunft zu erhalten, und müssen nicht befürchten, dass sie jemand mit Dragon Kill Points überbietet, oder einfach mehr Würfelglück hat.
Wer längere Zeit mal nicht mit kann, erleidet keine Nachteile im Vergleich zu DKP, bei dem ihm seine öfter anwesenden Mitspieler mit ihrem vollen DKP Konto alles wegkaufen können.
Keine Inlfation (vgl. DKP)
Jeder Spieler kann sich in etwa ausrechnen, wann er mit Sicherheit einen Teil der Beute erhält und dies durch rege Teilnahme an Raids beschleunigen.
Kein “Futterneid”, da jeder suicide eines Mitspielers den anderen nutzt.

Nachteile

Einmalige Gäste im Raid haben, ebenso wie bei DKP, eher sehr geringe Chance bei ihrer ersten Teilnahme nach SKS ein Teil zu erhalten. Dementsprechend schwer wird es Gäste oder Aushilfen für einen Raid zu finden. Hier muss man wohl auf andere Möglichkeiten zurückgreifen.
Eine Möglichkeit: die Mitglieder, die ihren Loot nach SKS erhalten, würfeln gegen den Gast. Gewinnt der Gast bekommt er das Teil, gewinnt einer aus der Raidgemeinschaft, wird das Item nach SKS verteilt.

Weblinks

Hier fand sich der Originalthread im Codemasters Forum: SKS – eine Art der Lootverteilung

Software zu SKS

SKS Manager – Eine kostenlose WebApp zur Verwaltung von Gruppen/Listen nach dem SKS System.
Modifierte Suicide Kings Tracking App – für [Herr der Ringe Online] modifizierte Variante.
Libreoffice – freie Software mit integrierter Tabellenkalkulation, zur Erstellung der Listen sowie deren Exportierung in eine HTML-Datei.

Nachsatz

Der Text hier wurde von mir ursprünglich vor Jahren für Wikipedia verfasst. Es handelte sich dabei um eine Essenz meiner Arbeit im Codemasterforum rund um ein faires, nicht inflationäres Verteilsystem für Insentives. Leider hatten Wikipedias Moderatoren ein Problem damit, dass ich auf auf den Forenthread verwies (unzulässige Quellen), was die Löschung des Artikels nach sich zog.
Glücklicherweise hat www.pluspedia.org eine Kopie des Artikels gerettet (Danke!) was es mir nun erlaubt den Text hier mit mir als Autor wieder zu veröffentlichen. Wie seit Anbeginn darf der Text gerne kopiert und andernorts veröffentlicht werden solange der Autor genannt wird. Änderungen am Text dürfen natürlich auch wieder vorgenommen werden, so lange diese kenntlich gemacht werden.